Chancengleichheit: Aufstieg durch Bildung in Österreich selten

12. Februar 2020

Schon seit mehreren Jahren ein immer wiederkehrendes Thema. Und trotzdem haben Menschen, die aus bildungsfernen Schichten kommen, in Österreich immer noch geringe Entwicklungschancen. In Österreich sind die Bildungsmöglichkeiten besonders ungleich verteilt.

“Ob Mama einen Pflichtschulabschluss oder ein Studium absolviert hat, wo Papa arbeitet, das Haushaltseinkommen, wie viele Bücher im Wohnzimmerregal stehen – das alles und noch viele andere Faktoren entscheiden darüber, welche Chancen ein Kind hat.”

Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000089915701/bildung-wird-laut-oecd-in-oesterreich-weiter-ueberdurchschnittlich-vererbt

Seit Jahren fällt auf: im Vergleich mit anderen Industrienationen schneidet Österreich unterdurchschnittlich ab. Die Leistungen sind stärker vom sozioökonomischen Hintergrund abhängig als im OECD-Schnitt, Kinder aus bildungsfernen Schichten erreichen noch seltener einen Hochschulabschluss.

Es gibt kein Land, in dem der soziale Hintergrund nicht über den Bildungserfolg mitentscheidet. Es gibt jedoch sehr wohl Staaten, in denen der soziale status der Eltern nur eine vergleichsweise kleinere Rolle spielt – wie etwa in einigen Ländern Nordeuropas.

In Österreich sind die Hürden für Kinder aus bildungsfernen Schichten dagegen vergleichsweise hoch und die soziale Mobilität gering. Das belegen zahlreiche Pisa-Studien aus den letzten Jahren. 

Vor einem halben Jahrhundert warf der Liberale Ralf Dahrendorf in einer Rede die Frage auf, warum es gerade in Deutschland und Österreich so wenige Arbeiterkinder an die Universität schaffen, obwohl es angeblich keine “formalen” Barrieren gibt? 

Kinder armer Eltern würden von der Oberschicht ferngehalten werden, mit der Begründung sie seien eher handwerklich/praktisch veranlagt. 

Andererseits grassiere wohl in der “Unterschicht” die Angst vor den Intellektuellen. Die Kinder könnten sich aus ihrem Milieu entfernen und sich dann nirgendwo mehr wohlfühlen. 

“Die Chancen eines Kindes auf schulischen Erfolg sind viel direkter eine Funktion seiner sozialen Klasse als seiner Talente” befand der französische Soziologe Pierre Bourdieu im Jahr 2001. Er erforschte in den 1960er Jahren wie sich neben den finanziellen Verhältnissen der Familien die kulturellen und sozialen Bedingungen auswirkten. 
Dabei fand er heraus das sich kulturelle Nachteile für die Zukunft eines Kindes negativer auswirkten als wenig Geld. 

Doch es gibt auch viele die dagegen angehen. Und das mit großem Erfolg!

Eine Schule davon ist die Quinoa-Schule. Eine Privatschule im Brennpunktkiez Wedding. Knapp 150 Schülerinnen und Schüler werden dort unterrichtet, aus sozial schwachen Haushalten oder Familien mit Migrationshintergrund. Über 75% der Eltern zahlt kein Schulgeld. Die Schule selbst finanziert sich durch Spenden und staatlicher Unterstützung. 

Sie wollen Schülern einen Schulabschluss ermöglichen und ihnen den Weg ebnen ihren Lebensunterhalt so zu verdienen, wie sie es möchten. 

“Jeder junge Mensch hat ein Talent und kann etwas. Sie sind uns keine Last” sagt Schulleiter Pantelis Pavlakidis. Ein wunderbarer und vor allem wahrheitsgetreuer Satz, der sich hoffentlich auch in Österreich immer mehr ausbreiten wird. 


Der ganze Artikel zur Quinoa Schule: https://www.megabildung.at/best-practice-im-interview-quinoa-schule-in-berlin/?fbclid=IwAR2xtg2rINQM09oSQeaZKZQ5scBdWEmfDC_OxyBJ0hUY81FO5SqkFdAjoZU

Aus diesen und ähnlichen Gründen fühlt sich das Future Learning Lab Wien verpflichtet, seine Angebote im Sinne der Chancengleichheit aufzubereiten.

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